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Biografie
Charles Webster Leadbeater wurde in England, Stockport, in der englischen Grafschaft Cheshire geboren. Sein genauer Geburtstag kann nicht eindeutig festgestellt werden, weil in seiner Geburtsurkunde der 16. Februar 1854 als Geburtstag steht, in seinem Reisepass jedoch der 17. Februar 1847 als Geburtstag angegeben ist. In seiner Jugend hat er in kirchlichen Positionen gearbeitet, bis er 1878 zum Diakon der Kirche von England ernannt und ein Jahr später dort zum Priester geweiht wurde. In der Pfarrei Bramshott in Hampshire diente er als Vikar seines Onkels, des Reverents William Wolfe Gapes, der nicht nur ein wohlhabender Rektor, sondern auch ein angesehener klassischer Gelehrter war. Schon damals arbeitete er mit jungen Menschen, mit denen er viele soziale wie auch spirituelle Aktivitäten unternahm, und gründete die Jugendgruppe einer kirchlichen Abstinenzgesellschaft. |
Er beschäftigte sich mit hochkirchlichen, sakramentalen Anglikanismus, hatte aber auch zu dieser Zeit schon Interesse an übernatürlichen Dingen und besuchte Séancen und Vorträge über Spiritismus. Alle diese Interessen wurden später zu Schwerpunkten seines Lebens und seiner Lehren.
Im Jahr 1883 las er das Buch „The Occult World“ von Alfred Percy Sinnett, das wie eine Offenbarung für ihn war. Dieses eindrucksvolle und lesenswerte Buch eröffnete ihm einen neuen Horizont und veranlasste ihn, Kontakt mit der Theosophischen Gesellschaft in London aufzunehmen, wo er am 20. November 1883 als Mitglied aufgenommen wurde. Am 20. Februar 1884 wurde er dann in der Londoner Loge der Theosophischen Gesellschaft aufgenommen.
Am 7. April 1884 lernte Leadbeater auf einer turbulenten Wahlversammlung der Londoner Loge Helena Petrovna Blavatsky und Henry Steel Olcott kennen. Von Frau Blavatsky war er so tief beeindruckt, dass er sich von diesem Tag an mehr und mehr von der anglikanischen Kirche zurückzog und der Theosophie zuwandte.
Am 31. Oktober 1884, kurz vor Frau Blavatskys Rückkehr nach Indien, erhielt er einen Brief von dem Aufgestiegenen Meister Kuthumi. Gleich am nächsten Tag schrieb Leadbeater ihm einen Antwortbrief, in dem er anbot, seine Karriere in der Kirche aufzugeben und mit Frau Blavatsky nach Indien zu gehen, um der Theosophie zu dienen. Er brachte diesen Brief zu ihr nach London und begleitete sie dann zum Haus der Cooper-Oakleys, wo sich nach Mitternacht vor seinen Augen ein Antwortbrief in der Hand des ausgestreckten Arms von Frau Blavatsky materialisierte.
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H. P. Blavatsky |
In dem Brief wurde ihm vorgeschlagen, England sofort zu verlassen, wenn er dies wünsche, und sich ihr in Alexandria anzuschließen. Daraufhin legte er überstürzt sein Priesteramt nieder, regelte seine Angelegenheiten und brach am 5. November 1884 mit dem Dampfer nach Indien auf. Auf dem Weg dorthin wurde er in Colombo in Ceylon offiziell Buddhist, bevor er im Dezember 1884 in Indien eintraf. Von 1884-1888 lebte er in Adyar in Indien. Er studierte die theosophische Lehre, war Assistent von Olcott und diente der Theosophischen Gesellschaft als Protokollführer. In dieser Zeit erweckten die Aufgestiegenen Meister seine Hellsichtigkeit, indem sie ihn bestimmte Übungen machen ließen, deren Ausführung sie genau beaufsichtigten. |
1889 hielt sich Leadbeater die meiste Zeit in Ceylon auf und leitete dort die pädagogische und theosophische Arbeit. Er lernte den damals 13-jährigen Jungen Curuppumullage Jinarājadāsa kennen, in dessen Aura er hellsichtig eine große spirituelle Reife wahrnahm, die aber eine Ausbildung in England erforderte. Nach einigen Schwierigkeiten nahm er den Jungen 1889 mit nach England und sorgte dort für seine Ausbildung, und tatsächlich wurde der Junge später Präsident der Theosophischen Gesellschaft.
In England diente Leadbeater als Tutor von Jinarājadāsa, wie auch von George Sydney Arundale, einem weiteren späteren internationalen Präsidenten der Theosophischen Gesellschaft, sowie Percy Edward Sinnett, dem Sohn von Alfred P. Sinnett. Leadbeater und Jinarājadāsa lebten die nächsten beiden Jahre im Haus der Sinnetts in Notting Hill in London.
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In diesen Londoner Jahren entwickelte Leadbeater seine Hellsichtigkeit weiter, vertiefte seine okkulten Untersuchungen und begann Bücher zu schreiben. Im Jahr 1894 veröffentlichte er „The Astral Plane“ (Die Astralebene), 1895 „The Devachanic Plane“ (Die Devachan Ebene) und 1895-1899 schrieb er in Zusammenarbeit mit Annie Besant Abhandlungen, die die Grundlage für das 1908 erschienene Buch „The Occult Chemistry“ (Okkulte Chemie) bildeten. Frau Besant und er beschrieben hier ihre hellsichtigen Wahrnehmungen des subatomaren Bereichs, die von der Wissenschaft erst viel später durch die Entwicklung der Quantenphysik bestätigt werden konnten. |
Annie Besant |
Mit Frau Besant zusammen brachte er auch 1905 das Buch „Thought-Forms“ (Gedankenformen) heraus. Dieses Buch, in dem Gedankenformen, Stimmungen und Gefühle in lebhaften Farben und abstrakten Formen dargestellt werden, wie sie sich dem hellsichtigen Auge präsentieren, hatte auch einen bemerkenswerten Einfluss auf die moderne Kunst.
1899 erschien sein Buch „The Christian Creed“ (Das christliche Glaubensbekenntnis), dass trotz der Antipathie einiger Theosophen Brücken zwischen dem Christentum und der Theosophie schlug. Aus seiner umfangreichen Vortragstätigkeit heraus entstanden dann seine Bücher „Man Visible and Invisible“ (Der sichtbare und der unsichtbare Mensch, 1902), „An Outline of Theosophy“ (Grundlinien der Theosophie, 1902) und „The Other Side of Death“ (Die andere Seite des Todes, 1903).
Bis 1909 lebte Leadbeater in London, obwohl er in der Zeit von 1896-1906 längere Zeit auf internationalen Vortragsreisen verbrachte. Durch seine brillanten Vorträge und seine beeindruckenden Bücher wuchs sein Ruhm innerhalb der theosophischen Welt. In dieser Zeit wurde er von vielen Menschen als die größte theosophische Autorität für übernatürliche Phänomene anerkannt.
1906 traten jedoch erstmal massive Probleme auf. Man warf ihm vor, Jugendlichen unmoralischer Weise Masturbation beigebracht zu haben, was damals ein großer Skandal war, und forderte seinen Ausschluss aus der Gesellschaft. Leadbeater gab zu, dass er dies Jugendlichen in vier Fällen tatsächlich gelehrt hat, weil er hellsichtig den Schaden gesehen hat, dem sie durch den Druck ihrer erwachenden Sexualität ausgesetzt waren, und verhindern wollte, dass sie zu Prostituierten gehen würden. Aus seiner Sicht hatte er nichts falsch gemacht, dennoch verließ Leadbeater freiwillig die Theosophischen Gesellschaft, um deren Ruf zu schützen.
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J. Krishnamurti |
Er lebte dann unter anderem in Italien und ging seinen hellsichtigen Untersuchungen nach. Im Dezember 1908, nachdem Frau Besant zur Präsidentin der Theosophischen Gesellschaft geworden war, stimmte deren Generalrat für die Wiedereinsetzung Leadbeaters, und so kehrte er nach Adyar zurück. Während der nächsten sechs Jahre veröffentlichte er dort einige seiner bedeutendsten Werke. Im Jahr 1909 entdeckte er in der Aura eines Jungen ein derartiges spirituelles Potenzial, dass er davon überzeugt war, dass dieser das Vehikel für den erwarteten Weltlehrer werden könnte. Dieser Junge war Jiddu Krishnamurti, und er nahm sich dessen Förderung an. 1910 schrieb der Junge das Buch „At the Feet of the Masters“ (Zu Füßen der Meister), das zu einem Riesenerfolg und später zu einem Klassiker der theosophischen Literatur werden sollte. Im selben Jahr wurde der Orden des Sterns im Osten gegründet, um Krishnamurti auf seine künftige Rolle als Vehikel für den Weltlehrer vorzubereiten. |
1910 und 1911 erschienen die beiden Bände des Buches „The Inner Life“ (Das Innere Leben), und 1913 sein Buch „The Hidden Side of Things“ (Die verborgene Seite der Dinge). In diesen Werken geht er auch oft auf praktische esoterische Aspekte des alltäglichen Lebens ein, er betont beispielsweise die Schädlichkeit von Fleisch- und Alkoholkonsum und die Wichtigkeit der Freundlichkeit gegenüber Kindern und Tieren.
1910 begann Leadbeater, hellsichtig die vergangenen Leben von Thesophen und ihre karmischen Verflechtungen untereinander zu untersuchen und Artikel darüber zu schreiben. In Zusammenarbeit mit Annie Besant erschienen sie dann 1913 in Buchform als „Man: Whence, How an Whither“ (Der Mensch, woher, wie und wohin). In diesem Werk beschreibt er mit bemerkenswerter Genauigkeit Daten und Leben von Personen, die bis ins Jahr 23.650 vor Christus zurückreichen.
1913 hielt er eine umfangreiche Vortragsreise in Australien. Da sich die politische Situation in Europa weiter verschärfte und der Erste Weltkrieg ausbrach, zog er 1914 nach Sydney. Er war sowieso an Australien und Neuseeland sehr interessiert, da sich seiner hellsichtigen Forschung nach hier gerade sehr fortschrittliche Seelen inkarnierten, die bereits zu einer weiterentwickelten Form der Menschheit gehörten. In dieser Zeit lebte er mit einer Gruppe von Jugendlichen zusammen, die ihm von ihren Eltern zum Zweck ihrer spirituellen Entwicklung anvertraut waren.
Im Jahr 1922 zog er in The Manor ein, einem Herrenhaus mit spektakulärem Blick auf den Hafen von Sydney, das später von der Theosophischen Gesellschaft gekauft wurde und noch heute ein Zentrum theosophischer Arbeit ist.
In den Jahren 1921-22 wurde er erneut das Ziel öffentlicher Anschuldigungen und polizeilicher Ermittlungen. Wiederum ging es um Vorwürfe bezüglich der von ihm betreuten Jugendlichen, und wiederum wurde er vollständig entlastet. Es gab auch Spannungen innerhalb der theosophischen Loge in Sydney, wo ihm manche Mitglieder vorwarfen, von der ursprünglichen Lehre von Frau Blavatsky abzuweichen.
Teilweise wurden diese Vorwürfe dadurch ausgelöst, dass er auch den höchsten Einweihungsgrad der Freimaurer hatte, mehrheitlich jedoch dadurch, dass er in der Liberal Catholic Church zum Bischof geweiht wurde. Für Leadbeater waren jedoch sowohl die Freimaurerei als auch der liberale Katholizismus genau wie die Theosophie allesamt Teile der okkulten Vorbereitung auf das Kommen des Weltlehrers.
1923 wurde er Vorsitzender der Liberal Catholic Church und behielt dieses Amt bis zu seinem Tod. Er unternahm okkulte Untersuchungen des Christentums und der Freimaurerei und veröffentlichte 1920 seine Bücher „The Science of the Sakraments“ (Die Wissenschaft der Sakramente) und „The Hidden Side of Christian Festivals“ (Die verborgene Seite christlicher Feste). 1926 folgte dann das Buch „The Hidden Side in Freemasonry“ (Das verborgene Leben in der Freimaurerei).
Im Jahr 1925 veröffentlichte er das Buch „The Masters and the Path“ (Die Meister und der Pfad), das von den Aufgestiegenen Meistern handelt und tiefgründige Interpretationen von Stufen der spirituellen Einweihung und fortgeschrittenen spirituellen Zuständen beschreibt. Sein 1927 veröffentlichtes Buch „The Chakras“ (Die Chakras) ist nicht nur ein spiritueller Klassiker, sondern war auch seinerzeit das erste Buch im Westen überhaupt, das Wissen über die Chakras vermittelte. Es wird sogar heute noch neu veröffentlicht und zehntausendfach verkauft.
In den Jahren 1927-28 wurde eine Gruppe von sieben Mädchen in The Manor untergebracht, die „Die sieben Jungfrauen von Java“ genannt und von ihm spirituell ausgebildet wurden. Als er allerdings 1929 nach Adyar zurückkehrte, löste sich die Gruppe auf.
Die Begeisterung über den kommenden Weltlehrer und den Orden des Sterns im Osten nahm 1929 ein dramatisches Ende, als Krishnamurti im August auf dem Sternlager in Ommen in den Niederlanden seinen Rücktritt von der ihm zugedachten Rolle als Vehikel des Weltlehrers verkündete und den Orden auflöste. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Leadbeater auf einer Vortragsreise in Indien. Obwohl ihn das schwer getroffen haben dürfte, war er wie immer bemerkenswert gefasst.
Im Herbst 1929 zog er von Australien zurück nach Adyar. Seine langjährige Freundin und Vertraute Annie Besant starb 1933, und er selbst starb 1934 in Perth in Westaustralien. Seinem Wunsch gemäß wurde sein Körper verbrannt und dessen Asche an drei Stellen verstreut: Erstens in Adyar in Indien, im Garten des Hauptquartiers der Theosophischen Gesellschaft, zweites in Kew, einem Vorort von Melbourne in Australien, wo er viele Jahre lebte und arbeitete, und drittens im Himalaja an einem von ihm geschätzten Ort mit Bezug auf die Aufgestiegenen Meister.

CWL mit sechs der „Sieben Jungfrauen von Java“



